
Das Trio, das beim "John Lennon Talent Award" den zweiten Platz erreichte und Konzerterfahrungen im Ausland sammelte, ging pünktlich um 14.30 Uhr an die Mikros, wirkte anfangs leicht verloren auf der riesigen Bühne auf dem Albrecht-Thaer-Gelände. Janas Stimme zitterte leicht, als sie ihre Band vorstellte. Diese kleine Unsicherheit, die dem Trio eine Welle von Sympathie des Publikums einbrachte, verschwand bei den ersten Bass-Noten.
Musikalisch sind die drei Mädels reifer als sie wirken, boten eine halbe Stunde guter Punk-Rockmusik an. Backstage müssen Jana, Rieke und Lena ihre Instrumente noch selbst schleppen. "Erst vor drei Wochen haben wir von diesem Auftritt erfahren", erzählt Jana. Es dauerte nicht lange, bis Gitarre, Bass und Schlagzeug auf den roten Kleinsttransporter mit der weißen Schrift "KellerChaos on Tour" geladen waren; das Trio fuhr glücklich und um eine Erfahrung reicher wieder nach Hause, Richtung Norden.
Das OpenR-Programm lief inzwischen reibungslos und im Zeitplan weiter. Aus England kamen "Mamas Gun" mit einer netten Mischung aus Funk, Jazz und Blues sowie die Indie-Rocker "Doll the Kicks", deren Sängerin Hannah Scanlon ("Doll") auch dank extravaganten Outfits von sich reden macht. "Eisblume" hat inzwischen viele Fans. Mit ihren kohlrabenschwarzen langen Haaren, ihrer blassen Haut und ihrer kristallklaren Stimme ist Sängerin Ria das Aushängeschild der Berliner Band, die sich im Herbst 2007 gründete. Es wirkte fast paradox, dass ausgerechnet bei der einzigen Gothic-Combo des Tages sich die Sonne zeigte. Sonst blieb sie die ganze Zeit hinter dicken Wolken versteckt.
Punkt 17.30 Uhr öffnete "Stanfour" mit solider Popmusik die Reihe der Haupt-Acts. Was nun folgte, war eine reine "Monsta"-Party: Mit der Berliner Hip-Hop-/Reggae-Combo "Culcha Candela" kamen auch richtig fette Beats und hüpfende Menschenmassen. Johnny, Itchy, Larsito, Mr. Reedoo, Don Cali und Chino gaben sofort Vollgas, sangen ihre Hits "Schöne Neue Welt", "Hamma", "Ey DJ", "Somma im Kiez" und eben "Monsta".
Sie begeisterten auch durch ihren Mitmachspielchen. Die Uelzener lernten den Culcha-Candela-Spaziergang: tausende Leute, die gleichzeitig im Takt zehn Meter nach links und anschließend zehn Meter nach rechts gehen, um dann in die Hocke zu sinken und auf Kommando aufzuspringen.

Die Begeisterung wurde noch größer als "Ich + Ich" (FOTO) auf die Bühne kam. Der gut gelaunte Sänger Adel Tawil widmete das Lied "Vom selben Stern" der kleinen Tochter von Pop-Star Sarah Connor, die links von der Bühne mit ihrer Familie das Konzert verfolgte. Connor ist seit April mit Tawils Manager Florian Fischer liiert und oft bei "Ich + Ich"-Konzerten anwesend. Eine Stunde später und ohne Zugaben verließ die Band die Bühne.
Dass es Zeit für ein feuriges Finale war, merkte man bei der Bühne-Umbau-Pause: Sie dauerte fast so lange wie die ersten zwei Auftritte des Tages. Es war jedoch nicht so schlimm, da auf dem Gelände teilweise Stadtfest-Stimmung herrschte.
Als sich der Vorhang hob, stand fest: Der Tag hatte den echten Höhepunkt erreicht. Anders als auf ihrem brandaktuellen -- und leicht makabren -- Video "Danke", wo sie als Leichen gezeigt werden, sind "Die Fantastischen Vier" quicklebendig. Die vier Musiker haben sichtlich noch Spaß an ihrem Beruf und diese gute Laune ist ansteckend. Sie sangen alte Hits und Songs aus dem aktuellen Nummer-Eins-Album "Für Dich Immer Noch Fanta Sie". Nach dem Konzert wartete kein roter Kombi hinter der Bühne, sondern dutzende Crew-Mitglieder und riesige Lkws. Nächstes Ziel ist Eckernförde, wo beim "Strand Open Air" beinahe die gleichen Bands wie in Uelzen auftreten werden.



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