
oc Lüneburg. Er hat zwei Staatsexamen, drei Bypässe und auch sonst einige Zahlen aufzuweisen, die das Leben schreibt. Sein 30. Dienstjubiläum hat Ulli Schröder (FOTO) in diesem Jahr gefeiert, und morgen, am Sonntag, wird er 60 Jahre alt. Aber die Zahl, die keiner schlägt, ist die der Konzerte, die Ulli Schröder in seinem Café Klatsch veranstaltet hat. "Ich hab' das nicht gezählt, aber tausend müssen es jetzt sein", sagt er und lacht sein Ulli-Schröder-Lachen.
Lehramt hat er studiert, das zweite Staatsexamen gemacht, seit 30 Jahren arbeitet er in der Kinder- und Jugendhilfe in Holm-Seppensen. "Ich fahre immer gern zur Arbeit", sagt Schröder. Mal fährt er von Bispingen, wo er geboren wurde und zeitweise lebt, mal von Lüneburg, wo er direkt über dem Klatsch wohnt.
Das Café Klatsch ist ein Phänomen, eigentlich müsste die Kneipe unter Denkmalschutz gestellt werden. Das Klatsch erinnert an Zeiten, als die Haare lang waren und in Kneipen das Ende des Kapitalismus beschworen wurde, bis rot die Sonne aufging. Schließlich hat Ulli Schröder selbst mal politisiert, an der PH Lüneburg im AStA - mit Lou Karpa, der heute in Lissabon Klavier spielt, und mit Bettina Küntzel, die in Oedeme Musik unterrichtet.
1984 wollte Schröder mit einigen Freunden "ein kleines, gemütliches Café mit Buchladen aufbauen." Längst ist das Klatsch zur führenden Musikkneipe der Stadt geworden - "im Jahr machen wir hier rund 50 Konzerte."
Manches mag sich ändern. Mit dem Rauchen bei Konzerten ist es jetzt vorbei. Sein Publikum sei auch bürgerlicher geworden, beobachtet Schröder. Manches aber ändert sich nie. "Die Leute wollen das nicht." Die Leute sind seine Stammgäste, und die reden mit, wenn es darum geht, ob das Klatsch renoviert werden sollte. Nein, soll es nicht. Die mit Kerben übersäten Tische, die einst aus der Provence kamen, bleiben, der Tresen mit dem alten Schrank dahinter, das bisschen Licht, die abgewetzten Dielen, die Plakate.
Heute diskutieren sie im Klatsch, wie sie den Rock'n'Roll im Altenheim weiterleben wollen. Aber das hat noch Zeit. Musik jedenfalls ist in Schröders Leben etwas Zentrales. "Wenn's mir mal schlecht geht, höre ich CCR, John Fogerty; sonst viel alten Rock, Blues, Soul. Ich akzeptiere aber jede Musik - jedem das Seine." Er freut sich über die Lüneburger Musikszene, die wieder verstärkt ins Klatsch drängt. Bands wie die Blues Organisation und What'ZZ Up spielen hier oft, zu den treuen Gruppen aus der Region zählt Blues Package, und als neulich Jessy Martens im Klatsch sang, passte mal wieder keiner rein. "Bei hundert Leuten ist das ja auch schon voll hier", sagt Ulli Schröder. Er wirkt wie die Ruhe selbst, ein Bär von einem Kerl - "ja, ja, zwanzig Kilo müssten runter", sagt er und lacht das weg.
Ist er so etwas wie ein Original? "Weiß ich nicht. Das sagt man mir nach. Ich bin so der freundliche Typ, ich kann eben nicht so leicht wütend werden", meint Ulli Schröder - "alles andere bringt ja auch nichts." Er wird das Klatsch, das sich fern der Lüneburger Kneipenmeilen hält, weiterbetreiben, so lange es eben geht - mit Werner Laatsch, der auch vom Springintgut nicht wegzudenken ist.
Morgen also wird Ulli Schröder, dem auch der LSK am Herzen liegt, 60 Jahre. Da trifft er in Bispingen die Familie zum Brunch. Heute Abend aber spielt Soulife im Klatsch, und bis Mitternacht muss der Chef bleiben, da gibt's nichts.



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