
Schon die Darbietung des Lazarus-Gedichtes war ein musikalisches Ereignis. Friedrich von Mansberg hatte erläutert, wie man eine derart schwierig zu singende atonale Musik als Sänger einstudiert. Er hatte den Text des von Sylvia Plath verfassten, von Erich Fried aus dem Englischen übersetzten Gedichtes und dazu auch ein von der Sängerin beschriftetes Notenblatt verteilt, sodass sich die Komplexität des Liedes erahnen ließ.
Im Monolog geht es um die Selbstzerstörung des lyrischen Ichs, das in vieler Hinsicht mit Sylvia Plath identisch ist. Maraile Lichdi ist weltweit eine von zwei Sopranistinnen, die dieses alle Tonlagen und Tonerzeugungsmöglichkeiten einer Sängerin umfassende Werk beherrschen. Souverän in jeder Hinsicht, dynamisch explosiv, mit unergründlich tiefer Emotion sang Lichdi die 28 Strophen. Ihre bewegende Auslegung war die beseelte Inkarnation des lyrischen Ichs, dessen unbedingte Selbstlosigkeit durch diese klare vibrierende Frauenstimme hautnah erfahrbar zu werden vermag.
Ganz anders der erste Programmteil: Drei Sätze der "Kleinen Blasmusik" von Bertold Hummel mit rhythmischen Attraktionen und leicht schräger Harmonik erfreuten das Publikum ebenso wie Helmut W. Erdmanns lebhaft musizierter Improvisationsklassiker "Sounding Picture II". Ulrich Petersen erläuterte die Stücke. Pia Bachmann und Maria Lorenz (Querflöten), Anja Wolpers (Oboe). Sonja Ohnesorge (Horn), Paul Stehr (Trompete) und Frederic Schneide (Posaune) verstanden auch Rojkos "Atonkanon" von 1989 so, wie er gedacht ist: Jedes harmonische Zusammenspiel soll hier verhindert werden. Für Rzewskis 1976 komponiertes "Les Moutons de Panurge" holte Petersen Laienmusiker aus dem Publikum hinzu, die mit dem Septett eine blindlings ins Verderben rennende Schafherde humor- und geräuschvoll nachahmten. Am Ende gab es langen Beifall.



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